Initiative und VerkehrsClub Nord klagen gegen Verlegung des Fernbahnhofs Altona

Nachdem bereits einzelne Personen gegen die geplante Verlegung des Fernbahnhofs Hamburg-Altona nach Diebsteich Klage eingereicht haben, wird nun auch der VerkehrsClubDeutschland Nord (VCD Nord) in dieser Weise aktiv. Das ist einem Sondern-Newsletter des Verkehrsvereins zu entnehmen, der hier online steht (PDF). Michael Jung, Sprecher der Initiative Prellbock, die seit langem gegen die Verlegungspläne aktiv ist, hatte bereits im Februar mit dem auf Fachplanungsrecht spezialisierten Fachanwalt Rüdiger Nebelsieck aus der Kanzlei Mohr Rechtsanwälte Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes erhoben und zusätzlich beantragt, die Bauarbeiten bis zur Entscheidung über seine Klage zu stoppen, ist hier zu lesen. Damit reagieren die Betroffenen und der Verkehrsverband auf die Anfang Januar vom Eisenbahnbundesamt genehmigten Planfeststellungsunterlagen für das offiziell mit 360-Millionen-Euro-Projekt geschätzte Umbauprojekt (SHZ). Auch im Hamburger Abendblatt wurde ausführlich über diese Klage bereits berichtet.

Hier als Dokumentation der SonderNewsletter des VCD-Nord:

“LV Nord SonderNewsletter 1/2018

Liebe VCD-Mitglieder und Interessierte! Aus aktuellem Anlass erhalten Sie heute einen Sondernewsletter, denn

Der VCD Nord klagt für den Erhalt des Fernbahnhofs Altona

Hintergrund

Die Deutsche Bahn, vertreten durch die DB Netz AG, will den heutigen Fernbahnhof Altona aufgeben und die dortigen Verkehre an einen neuen Bahnhof am Diebsteich verlegen. Mit Vorliegen eines Planfeststellungsbeschlusses durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) wurde aktuell bereits mit vorbereitenden Arbeiten begonnen.

Wir befürchten mit Aufgabe des Fernbahnhofs Altona gravierende Verschlechterungen für Fahrgäste im Hamburger Westen und auch Schleswig-Holstein. Mittelfristig sehen wir den Bestand des Fernverkehrs für Schleswig-Holstein gefährdet.

Unsere Position:

Wir verfolgen als VCD Nord das Ziel, möglichst viele Reisende auf die umweltfreundliche Schiene zu bringen.

  • Der heutige Fernbahnhof Altona liegt im Herzen der Stadt, ist aus vier Richtungen mit der S-Bahn zu erreichen und eng mit dem ZOB Altona und seinen zahlreichen Buslinien verknüpft. Im direkten Einzugsbereich wohnen 50.000 Menschen, und nimmt man das mittelbare Umfeld hinzu, sind es weit mehr als 100.000, die auch zu Fuß und mit dem Fahrrad zum Bahnhof kommen. Die Aufgabe und Verlegung dieses Bahnhofs an den kaum erschlossenen Standort Diebsteich führen zu gewaltigen Verschlechterungen für Fahrgäste und werden zu Verkehrsverlagerungen zum PKW führen.
  • Rund 10.000 Tagespendler, insbesondere aus Schleswig-Holstein, nutzen den Bahnhof Altona für die tägliche Fahrt zu Arbeit und Ausbildung. Diese müssen künftig umsteigen und büßen neben der Direktfahrt auch Reisezeit ein
  • Fernreisende vor allem aus dem Hamburger Westen können derzeit bereits in Altona in den Fernzug einsteigen und tragen dadurch zur Entlastung des Hauptbahnhofes bei. Für diese ist künftig ein einfaches Umsteigen erst am bereits heute überlasteten Hauptbahnhof möglich.
  • Fernreisende aus Schleswig-Holstein haben in Altona stets eine barrierefreie, am Bahnhof Dammtor sogar eine bahnsteiggleiche Umsteigemöglichkeit zum Fernverkehr. Dies ist am Diebsteich nicht garantiert.

Was spricht für eine Aufgabe Altonas und Verlegung nach Diebsteich?

Wir setzen uns intensiv mit dem Für und Wider auseinander und sind auch mit der Deutschen Bahn im Dialog. Folgende Argumente sind zu beachten:

  • „Diebsteich verbessert das Umsteigen in Richtung Fernverkehr nach Süden, weil man den Umweg über Altona vermeidet und in einen stets leeren Zug einsteigen kann“: Die in Altona in Richtung Süden beginnenden Züge verfügen über hinreichende Kapazitäten, da sie zunächst vor dem sehr aufkommensstarken Hamburger Hauptbahnhof verkehren. Ein  Umstieg am Dammtor ist ohne zusätzlichen Zeitaufwand möglich und, wie bereits oben erwähnt, stets barrierefrei. Wir sehen die Gefahr, dass mit einem Fernbahnhof Diebsteich der Bahnhof Dammtor nach und nach ohne Halt durchfahren wird.
  • „Durch Verkürzung von Fahrten, etwa von Westerland bis Diebsteich und nicht mehr bis Altona, kommt es zu CO2-Einsparungen“: Das ist richtig, allerdings ist dieser Abschnitt der mit am stärksten von Fahrgästen frequentierte und bietet sich dadurch als letzter für Einsparungen an.
  • „Fahrgäste aus Schleswig-Holstein erhalten eine verbesserte Anbindung in Richtung Citytunnel“: Es ist richtig, dass Fahrgäste mit Fahrtziel Citytunnel am Diebsteich eine neue Umsteigemöglichkeit erhalten und nicht über den Hbf fahren müssen. Wir halten die Verbesserung für wesentlich, allerdings geht sie nicht mit dem Wegfall eines Umsteigevorganges einher. Im Gegensatz hierzu muss zukünftig nach Altona mit Wegfall des Regional- und Fernverkehrs immer umgestiegen werden.
  • „Durch Wegfall von Altona gestaltet sich der Betrieb einfacher“: Die zweigleisige Verbindungsbahn zwischen Hauptbahnhof und Holstenstraße ist stark belastet. Die Ursache für Verspätungen liegt aber nicht am Bahnhof Altona, der vielmehr hinreichende Kapazitäten und Puffermöglichkeiten aufweist.

Wir wissen von der Bahn, dass Kosteneinsparungen der Treiber der Bahnhofsschließung sind. Wir haben allergrößte und berechtigte Sorge, dass mit Aufgabe des Fernbahnhofs Altona die Züge aus/in Richtung Süden zukünftig am Hauptbahnhof beginnen/enden. Bereits heute wird Dammtor aus Kapazitätsgründen von mehreren Zugpaaren ohne Halt durchfahren. Da Diebsteich im Gegensatz zu Altona kaum eigenes Fahrgastaufkommen generiert, bleibt als Begründung für die Weiterführung des Fernverkehrs über den Hauptbahnhof hinaus Richtung Norden nur noch die stündliche Regionalverbindung nach Westerland. Für Fahrgäste aus Richtung Kiel/Flensburg zum Fernverkehr würde das bei Wegfall der Alternative Dammtor künftig zum Umsteigen am Hamburger Hauptbahnhof führen. Für Fahrgäste aus Richtung Westküste würde es ein gleich zweimaliges Umsteigen an Diebsteich und Hauptbahnhof bedeuten.

Die Position der Bahn zur Rationalisierung können wir zwar aus rein betrieblicher Sicht nachvollziehen, aus Fahrgast- und Umweltsicht aber auf keinen Fall gutheißen. Die Groko spricht sich für eine Verdoppelung der Reisendenzahlen bei der Bahn und die Anbindung von Großstädten – wie Altona – an den Fernverkehr aus. Die Planungen der Deutschen Bahn zielen aber in die exakt entgegengesetzte Richtung.

Auch ist das Verhalten der Stadt nach unserer Meinung geradezu widersinnig. Wir halten es für ein völlig falsches Signal, wenn auf der einen Seite die zum Bahnhof Altona führende Max-Brauer-Allee aus Gründen der Luftreinhaltung für Dieselfahrzeuge gesperrt werden muss, in deren unmittelbaren Umfeld aber die Kapazität des umweltfreundlichen Verkehrsträgers Schiene massiv reduziert wird und die Stadt sich hier nicht engagert. Zu einem großstädtischen Zentrum, wie es um den derzeitigen Bahnhof Altona vorzufinden ist, gehört auch eine zukunftsfähige Anbindung an den Regional und Fernverkehr auf der Schiene.

Der aktuelle Planfeststellungsbeschluss des EBA weist aus unserer Sicht erhebliche verfahrenstechnische und inhaltliche Mängel auf. Daher sehen wir für unsere Klage gute Erfolgsaussichten. Nach einem Vorstandsbeschluss haben wir Klage beim Oberverwaltungsgericht erhoben. Dabei arbeiten wir eng mit der örtlichen Initiative Prellbock Altona zusammen.

Wir wollen mit unserer Klage erwirken, dass

  • Alternativen zur Stilllegung des Fernbahnhofs Altona entwickelt werden,
  • Varianten unvoreingenommen geprüft werden und insbesondere der Fahrgast berücksichtigt wird,
  • Kosten transparent dargestellt werden,
  • Schleswig-Holstein mehr direkten Fernverkehr aus Richtung Berlin, Frankfurt und Köln erhält,
  • Elmshorn zu einem Drehkreuz mit zeit- und bahnsteiggleisen Übergängen aus / in Richtung Westerland und Kiel sowie Altona und Hamburg Hauptbahnhof und von da umsteigefrei weiter in Richtung Bremen / Hannover ausgebaut wird,
  • der Bahnhof Altona weiterhin als Verkehrsdrehscheibe und würdige Verknüpfung nach SH fungiert, und
  • die Öffentlichkeit umfassend informiert wird.

Wir wissen, dass es hierzu konträre Auffassungen geben kann und bitten Sie herzlich darum, uns Ihre Meinung zu übermitteln:

Ich bin für/gegen die Aufgabe des Fernbahnhofs Altona und Verlegung nach Diebsteich: ja      nein      

Und falls Sie uns etwas mehr wissen lassen möchten: Meine Gründe sind: 1……., 2……., 3…….“

Wir freuen uns zudem über Ihre/Eure Rückmeldung, aber auch über inhaltliche Beiträge zum Thema unter vcd- hamburg@web.de . Sie können/Ihr könnt uns außerdem durch eine Spende auf unser Konto VCD- Landesverband Nord, DE83 2069 0500 0300 6000 14 unterstützen, Stichwort „Erhalt Bahnhof Altona“.

Termine:

  • Jeden 2. und 4. Montag im Monat Aktiventreff in der Geschäftsstelle Hamburg, 19 Uhr. Werkstatt 3, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg. Gäste und Interessierte sind immer willkommen.
  • Jahreshauptversammlung: 13.4.2018, 17:30, Werkstatt 3, Seminarraum 1. OG., Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*