Großprojekt Bahnhofsverlegung Altona zum Nachteil der Reisenden – Nadelöhr Hauptbahnhof bleibt

“Großprojekt Bahnhofsverlegung Altona –  Hamburgs Stuttgart 21 – Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg wollen einen ganzen Bahnhof verlegen. Dabei wiederholen sie die Fehler von Stuttgart 21. Bürger werden ignoriert, Planungen sind geheim – und die Fahrgäste haben das Nachsehen.” So überschreibt Spiegel-Online einen Artikel, in dem detailliert über die Risiken und Fehler des geplanten Umzugs des Fernbahnhofs Altona nach Diebsteich berichtet wird. Dabei stützt sich der Text nicht nur auf Informationen der Initiative Prellbock-Altona, sondern hat eigene gutachter-ähnliche Untersuchungen beauftragt. Inzwischen rücken Bahn und Verkehrsbehörde davon ab, dass die Verlagerung des Fernbahnhofs Altona eine Entlastung für den schon heute überforderten Hauptbahnhof bringt.

Das Fazit des Spiegels ist eine Wanrung an die Planer: “Zwei Monate lang hat der SPIEGEL Unterlagen zu dem Großprojekt ausgewertet, eine Verkehrsanalyse durchführen lassen und mit Experten gesprochen. Die Recherche ergab: Die Begründung für das größte Bahnprojekt in Norddeutschland hält kritischen Nachfragen nicht stand, die Planung ist unvollständig. Schlimmer noch: Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg machen die gleichen Fehler wie beim Horrorbahnhof Stuttgart 21. Auch dort wurden wichtige Planungsunterlagen nicht veröffentlicht. Auch dort versäumte es die Bahn, den Nutzen für die Fahrgäste nachzuweisen. Auch dort wurden Einwände von Bürgern abgewiegelt.”

Der Artikel macht deutlich, dass die Planngen vor allem der Betriebslogik der Bahn folgen. Der Bahnkunde hingegen ist bei der Umzugsplanung eher  nebensächlich. Viele der vermeintlichen Vorteile sind entweder wenig haltbare Behauptungen, wichtige Untersuchungen werden der Öffentlichkeit vorenthalten.

Bedeutsam ist auch, dass sowohl die Bahn als auch der Senat inzwischen einen Rückzieher machen, was die Folgen für den Hauptbahnhof angeht. Wurde zunächst von beiden behauptet, dass die Verlagerung von Altona zum Diebsteich eine Entlastung für den heute schon völlig überlasteten HBF bringen würde, wird jetzt davon ausgegangen, dass es ein Nullsummenspiel wird. Der Spiegel schreibt: “Von der anfangs versprochenen Entlastung des Hamburger Hauptbahnhofs rücken die Verantwortlichen mittlerweile selbst ab. Eigentlich wäre die bitter nötig, ist der Hauptbahnhof doch mit rund 500.000 Fahrgästen und Besuchern täglich völlig überfüllt. Zu Stoßzeiten drängeln sich die Fahrgäste an den Bahnsteigkanten. Die Bahn teilte auf Nachfrage mit, man rechne am Hauptbahnhof mit zirka 2250 Reisenden weniger pro Tag. Das wäre eine winzige Veränderung von gerade einmal 0,5 Prozent. Insofern trifft es eine Aussage des Hamburger Senats wohl schon eher: Die Verwaltung teilte in einer Sitzung des Verkehrsausschusses in diesem Jahr nur noch mit, es solle “keine wesentlichen Veränderungen am Hauptbahnhof geben”.”

Allerdings bleiben Zweifel, ob die Verlagerung von Altona nicht eher die Belastung im Hauptbahnhof weiter steigern könnte. Denn mit der Verlagerung zum Diebsteich wird für den Hamburger Westen von Bahrenfeld bis Wedel die Fernreise künftig eher im Dammtor oder eben im HBF beginnen, weil sie diese Bahnhöfe ohne Umsteigen erreichen. Wohl nur wenige werden einem Umstieg in Altona in Kauf nehmen, um dann in Diebsteich zuzusteigen. Diese “mehr” im Hauptbahnhof könnte nur aufgefangen werden, wenn aus Eimsbüttel und angrenzenden Viertel die Reisenden nicht mehr wie bisher Dammtor und Hauptbahnhof weiter nutzen, sondern auf Diebsteich umschwenken. Daten dazu, hält die Bahn aber unter Verschluss.

Die SHZ greift die Kritik vom Spiegel auf und berichtet: “Die Verkehrsanalyse kommt zu dem Schluss, dass sich der Anschluss an den Fernverkehr für rund 231.000 Hamburger durch den Bahnhofsumzug verschlechtere, das seien rund 13 Prozent der Stadtbevölkerung. Auf der anderen Seite hingegen könnten nur rund 169.000 Hamburger von der neuen Lage profitieren. Das Unternehmen Motion Intelligence, das die Analyse durchführte, sieht den Grund für die Verschlechterung darin, dass der alte Kopfbahnhof nicht nur für Fern- und Regionalzüge ein Verkehrsknotenpunkt ist. Sechs S-Bahnen und 17 Buslinien bieten den Fahrgästen am jetztigen Bahnhof Altona direkten Anschluss ans Verkehrsnetz. Der Bus- und S-Bahnhof soll aber nach dem Umzug am alten Standort bleiben.”

Und die SHZ  berichtet über die Reaktion der Bahn zu den Vorwürfen im Spiegel: “Die Deutsche Bahn und die Hamburger Verkehrsbehörde haben gelassen auf den Bericht über angebliche Nachteile durch die Verlegung des Bahnhofs Altona reagiert. Durch den geplanten Durchgangsbahnhof im Bereich der heutigen S-Bahn-Station Diebsteich anstelle des jetzigen Kopfbahnhofs entstehe „ein nachhaltiger Impuls für eine langfristige Veränderung des umgebenden Stadtraums“, teilte die Verkehrsbehörde am Freitag auf Anfrage mit.

Ein Bahnsprecher sagte dazu der Deutschen Presse-Agentur: „Die Untersuchung ist nicht bekannt und wir können sie daher nicht bewerten.“ Er verwies auf die Vorteile des Umzugs. So werde etwa die Zahl der Umstiegsmöglichkeiten vom Regional- auf den Fernverkehr spürbar steigen. Außerdem würden Bürger an dem Projekt beteiligt. So hätten etwa Infoveranstaltungen stattgefunden. Dass es auch Nachteile für einige Menschen geben werde, sei hinlänglich bekannt, sagte eine Sprecherin der Verkehrsbehörde.”

Der NDR berichtet außerdem von der Reaktion der Hamburger Verkehrsbehörde: “Hamburgs Verkehrsbehörde steht zu Umbauplänen” und schreibt: “Auch in der Hamburger Wirtschafts- und Verkehrsbehörde verteidigt man die Pläne. “Durch die Entscheidung der Deutschen Bahn, den Fernbahnhof an den Standort Diebsteich zu verlagern, entsteht ein nachhaltiger Impuls für eine langfristige Veränderung des umgebenden Stadtraums”, erklärte Behördensprecherin Susanne Meinecke. “Das Umfeld des neuen Fernbahnhofs wird mit der Ansiedlung eines ICE-Haltepunkts deutlich an Zentralität gewinnen.” Durch die veränderte Lage werde der Fernbahnhof “auch für maßgebliche Teile des Kerngebiets von Eimsbüttel eine neue und attraktive Alternative zum Dammtor-Bahnhof sowie zum Hauptbahnhof darstellen”.”

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