Bahnhof Altona verlegen: Es gibt wichtigeres und Alternativen

Etwa 200 Menschen und damit volles Haus heute auf einer Veranstaltung der Initiative Prellbock-Altona zur Frage der Folgen einer Verlegung des Regio- und Fernbahnverlegung von Altona zum Diebsteich. Klar wird: Es gibt jede Menge Alternativen zu einer solchen Verlegung und es gibt auch wichtigere Projekte für die Deutsche Bahn. Eines davon ohne Frage der heute schon völlig überlastete Hauptbahnhof, der nach einer Verlegung von Altona möglicherweise noch mehr Reisende aufnehmen muss, wenn der gesamte Hamburger Westen von einem direkten Zugang bei einer Verlegung nach Diebsteich abgeschnitten wird. Bis heute will die Bahn nicht die Daten zu einer angeblich vorhandenen Untersuchung der Auswirkungen auf die Fahrgastbewegungen nach einer Bahnhofsverlegung rausrücken.

Während die Kritik an den Verlegungsplänen für den Regional- und Fernbahnhof Altona langsam wächst, wird bei Bahn und Stadt munter weiter geplant. Gesucht werden nun Investoren, damit am Diebsteich zwei Türme entstehen können, mit Hotel und Büro. Auch die (alte) Handelskammer hatte sich mit einem Vorschlag in die Debatte eingemischt (NDR und hier die Pläne der HK). Bis zu diesen neuen Überlegungen waren die Planungen für den Diebsteich vom Oberbaudirektor Jörn Walterals als “Hundehütte” kritisiert worden. Der Bezirk Hamburg Mitte informiert inzwischen auf dieser Seite über die Pläne. Der neue Fernbahnhof soll Ende 2023 eröffnet werden.

Auf der Veranstaltung im Altonaer Rathaus kritisierte vor allem Eberhard Happe, Bahn-Direktor a.D., die Pläne zur Verlegung. Mit Blick auf die Situation im Hauptbahnhof kritisierte er u.a. die langen Standzeiten von Zügen, die so die Bahnsteige blockieren: Statt Von Kiel nur bis zum Hauptbahnhof zu fahren, sollten die Züge besser z.B. bis Lüneburg durchfahren und so die Standzeiten im HBF entlasten. Happe sprach davon, dass der Hauptbahnhof inzwischen zum doppelten Kopfbahnhof mutiert sei. Happe sprach auch davon, den Güterverkehr vom Norden östlich an Hamburg vorbei zu führen. So wurde die bisherige Güterumgehungsbahn im Hamburger Osten frei und könnte für S-Bahn-Planungen genutzt werden. Ein Ende des Sackbahnhofs Altona sei keine sinnvolle Verbesserung für die HamburgerInnen und eine Verlegung zum Diebsteich würde die Probleme im Hauptbahnhof nicht beseitigen können.

Michael Jung von der Prellbock Initiative zeigte auch die möglichen Maßnahmen direkt in Altona auf, um den bestehenden Bahnhof zu modernisieren und dennoch den geplante Wohnungsbau in der Neuen Mitte Altona zügig realisieren zu können. Interessant sicher auch, dass bei einer Schließung des Regio- und Fernbahnhofs Altona nach den Bahngesetzen ein Schließungsverfahren rechtlich durchgeführt werden müsste, in dem es auch Widerspruch von Interessierten Bahnbetrieben oder den angrenzenden Bundesländern geben könnte.

Frank Arne Limprecht von der Bahn Netz AG und Projektleiter bemühte sich, die Planungen für die Verlegung zu rechtfertigen und zu erklären. Entlastung erhoffe man sich im HBF erstens durch die Bahnhofsverlegung zum Diebsteich, von der geplanten neuen S-Bahn 4 (siehe dazu: Streit um S4-Planungen) und Bemühungen, ein weiteres Gleis im Hauptbahnhof einzubauen. Für die meisten der BesucherInnen der Veranstaltung konnte er aber die bestehenden Kritikpunkte nicht ausräumen. Auch Martin Huber von der Hamburger Verkehrsbehörde konnten den Anwesenden nicht wirklich Mut zusprechen, dass die Planungen noch einmal auf den Prüfstand kommen.

Von vielen der TeilnehmerInnen kam immer wieder auch die Kritik, dass die Planungen weitgehend an der Öffentlichkeit vorbei und ohne jede ernsthafte Einbeziehung erfolgt wären.

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