“Wahnsinnsidee”: Namensspiele um unverlegte Bahnhöfe in Altona*Diebsteich

Bei der eigentlichen Planung zur Verlegung des Fernbahnhofs Altona Richtung Diebsteich halten sich die Verantwortlichen in Sachen Öffentlichkeitsbeteiligung lieber vornehm zurück. Dafür eröffnen sie lieber nette Spielformate, z.B.: Wie nennen wir denn den neuen Fernbahnhof, der dort in Diebsteich entstehen soll? Die bisherigen Vorschläge deuten eher an: Das Projekt hat irgendwie keine Freunde und unterstreichen: Weltstadt kann auch Provinzposse.

Das Abendblatt schreckt vor der Wahrheit nicht zurück und titelt sogar mit Namensvorschlägen wie: “Am Arsch der Heide” oder lieber “Hamburg 21”? Zur Bildunterzeile ergänzt das Blatt in seinem Bericht: “Hamburg-Altona. Etwas prosaisch, oder? Wie wäre es stattdessen mit “Liebe und Hoffnung”, “La Paloma” oder “Never-Ever-Bahnhof” als Name der Station?”

Mit einer fast schon fiesen Genüßlichkeit berichtet Abendblatt-Autor Alexander Josefowicz von dieser Bürgerbefragung. Dabei will er gar nicht so genau wissen, wer im Bezirksamt Altona “auf diese Wahnsinnsidee gekommen ist”, denn “dem darf man wohl eine gewisse Naivität im Umgang mit dem Internet attestieren”, meint er. Vielleicht ist es aber auch nur das schlechte Gewissen gewesen, dass die BezirkspolitikerInnen jenseits der Linken dazu triebt, irgendwas mit Öffentlichtkeit zur geplanten Verlegung zu tun? Wir wissen es nicht.

Sicher aber ist: Der “Hauptausschuss Altona (musste) die Namensvorschläge für die Bahnhöfe in Altona diskutieren”. Zur hämischen Freude des Abendblatt-Autors, der feststellt: “Ausschuss-Sitzungen sind für Außenstehende zumeist von der wohltuenden Langeweile einer szenischen Lesung des Telefonbuchs Köln-Nippes. Wenn aber, wie am Donnerstag, über das Ergebnis einer Bürgerbefragung diskutiert wird, kann die Lokalpolitik durchaus humoristischen Charakter bekommen”, schreibt er. Es waren die Bezirkspolitiker in Altona selbst, die die Internetbefragung um Vorschläge für einen Bahnhofsnamen auf den Weg gebracht hatten und nun im Hauptausschuss Altona die Drucksache 20-2948 zu diskutieren hatten: “Die Benennung der Bahnhöfe in Altona. Nach Beschluss der Bezirksversammlung durften die Bürger online ihre Vorschläge einreichen. Wie sollen der neue Fernbahnhof am Diebsteich und der alte, dann zum S- und Busbahnhof degradierte Bahnhof Altona künftig heißen?”

174 Vorschläge für den degradierten S-Bahnhof Altona und den aufgewerteten geplanten Fernbahnhof am Diebsteich hat es gegeben. Neben den genannten “Am Arsch der Heide”, “Hamburg 21” und “Ersatzbahnhof Altona” kamen auch Vorschläge wie “all to nah (ALTONA)”, “Altona bleibt” und “Olli-Schulz-Platz” für den alten Bahnhof vor. “Ob die Ausschussmitglieder wohl die Contenance wahren konnten, während sie “Milliardengrab Diebsteich” und “Geisterstadt Altona” diskutierten?”

Der Abendblatt Autor weiß auch folgendes zu berichten: Erst wenige Monate ist es her, “dass die Briten ein klitzekleines Problem mit der Online-Namenskür hatten. Das neue, 250 Millionen Pfund teure Forschungsschiff hätte um ein Haar “Boaty McBoatface” geheißen.”

Damit will er wohl seine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass es bei der Namensverleihung am Ende nicht so schlimm kommen wird. Denn es gab “auch weniger karikaturistische Vorschläge: Altona-Nord und Hamburg-West sind zwar nicht so kreativ wie “Grünflächenfraßbahnhof” und “MeinGottWalter-Bahnhof”, haben aber den entscheidenden Vorteil, dass Auswärtige nicht sofort verwirrt die Notbremse ziehen, wenn der Name der nächsten Haltestelle angesagt wird.”

Naja, aber vielleicht braucht es den neuen Namen auch gar nicht, weil der Bahnhof bleibt wo er ist?!

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