Anhörung zur Verlegung des Fernbahnhofs Altona: Fehlende Informationen und der Bahnreisende als Fehlanzeige

Am Dienstag begann der auf fünf Tage angesetzte Erörterungstermin für die Verlegung des Fernbahnhofs Altona in Richtung Diebsteich. Hervorstechendes Merkmal: Ein Terminplan, der die Teilnahme für die EinwenderInnen so gut wie unmöglich macht, es sei denn, man gibt eine Urlaubswoche drauf. Vor allem aber Prägnant das gnadenlose fehlen jeder konkreten Information und begründeter Angaben zu den Aussagen, warum eine Verlegung angeblich sinnvoll wäre. Völlig skurril verwiesen die Antragsteller der Bahn auf zwei hinter ihrer Tischreihe abgestellte Kartons, in denen sich Akten zur Bahnhofsverlegung befanden, die aber ausdrücklich den EinwenderInnen nicht zugänglich gemacht werden sollten. Deutlich wurde auch: Die Auswirkungen für die Bahnreisenden, insbesondere mit Blick auf die ohnehin schon hohe Belastung des Hauptbahnhofs spielt bei den Planungen keine wirkliche Rolle. Vor allem betriebliche Vorteile der Bahn stehen im Vordergrund. Kritik gab es aber auch von der Österreichischen Bahn, weil der neue Bahnhof in Diebsteich keine Möglichkeit für Autoreisezüge bieten soll. Kein Wunder also, dass die EinwenderInnen per Antrag die Aussetzung der Planfeststellung, die Herausgabe der bislang unter Verschluss gehaltenen Gutachten und den Neustart des Auslegungsverfahren mit den erweiterten Daten verlangten. Die Prellbock-Initiative berichtet in einer Pressemitteilung über den ersten Tage des Erörterungstermins, die hier im Anschluss vollständig dokumentiert wird.

Dokumentation: Presseerklärung von Prellbock-Altona, Unser Bahnhof bleibt wo er ist zum 1. Tag des offiziellen Anhörungsverfahrens zur Schließung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona

Friedhofsbahnhof Diebsteich 21 in zwei Umzugskartons

Der 1. Tag der Anhörung um die Schließung begann mit einer kleinen Überraschung. Die Unterlagen für die angeblich intensiv untersuchte Variante zur Bahnhofsschließung, nämlich die geforderte Modernisierung am gegenwärtigen Standort, brachte die DB AG in 2 braunen Umzugskartons mit. Die darin enthaltenen bisher der Öffentlichkeit vorenthaltenen Planungsunterlagen konnten allerdings nicht vorgestellt werden, weil sie nicht digitalisiert seien.

Zur Überraschung der anwesenden Einwender wurde zudem erklärt, dass der von der Initiative vorgelegte Alternativvorschlag zur Bahnhofsschließung, der den Standort des jetzigen Bahnhofes Altona erhält, von der Grundidee zwar umsetzungsfähig sei, dass man eine Detailplanung aus Kostengründen aber nicht durchgeführt habe. Andere Varianten zur vorgestellten Verlegung hätten nicht weiter geprüft werden müssen, da man schnell erkannt hätte, dass aus Kostengründen nur die von der Bahn vorgestellte Variante umgesetzt werden könne.

Ansonsten erklärte die DB AG – wie nicht anders erwartet wurde -, dass sie im Wesentlichen mit Steuermitteln den Fern- und Regionalbahnhof Altona zum Friedhof Diebsteich verlagern wolle, da es betriebswirtschaftliche Vorteile für den Fernverkehr gäbe. Vertreter der österreichischen Bundesbahn (ÖBB) hingegen waren empört, weil der geplante Abbau der Autoverladeanlagen in Altona das Nachtzuggeschäft der ÖBB negativ beeinflusst. Vertreter der Nordbahn kritisierten die Missachtung der Interessen der Regionalzug-Betreiber-Fahrgäste durch die Bahnhofsschließung.Einig war man sich, dass es sich bei der Verlagerung des Bahnhofs Altona um eine Maßnahme handelt, die große Auswirkung auf die Entwicklung der Stadt Hamburg hat. Die Vermutung, dass für die Stadt Hamburg und für den Steuerzahler immens hohe Folgekosten entstehen, konnte weder widerlegt noch bestätigt werden. Die entstehenden Kosten der Verlagerung des Bahnhofes Altona seien nicht Bestandteil des Anhörungsverfahrens. Einwender sehen dies als offene Einladung für unbegrenzte Kostensteigerungen zu Lasten des Steuerzahlers wie bei Stuttgart 21.

Mit Spannung wird verfolgt, wie das Eisenbahn-Bundes-Amt die im Verfahren bereits identifizierten Verfahrensfehler und das offenkundig äußerst defizitäre Abwägungsmaterial werten wird. Eine Wiederholung des Beteiligungsverfahrens – mit dann qualifizierten und für die Öffentlichkeit nachvollziehbaren Unterlagen – wird hoffentlich von der zuständigen Planfestellungsbehörde geprüft.

Die weiteren Anhörungstermine sind vom 5. bis 7. Oktober jeweils ab 9:30 Uhr in der Katholischen Akademie Hamburg, Herrengraben 4, 20459 Hamburg.

M. Jung für die Bürgerinitiative Prellbock Altona. Für Nachfragen: 0170 4708026.

Die Bürgerinitiative „Prellbock Altona – Unser Bahnhof bleibt, wo er ist“ trifft sich jeden 4. Mittwoch im Monat um 18.30 Am Felde 2, Hinterhof), Hamburg Altona und ist über info@prellbock-altona.de zu erreichen, Web-Seite: www.prellbock-altona.de

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